Das BMJ hat für eine anstehende Reform des Kindschaftsrechts Eckpunkte veröffentlicht. Durch eine Reform sollen u.a. Änderungen der Familienkonstellationen und Lebensformen, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, stärker berücksichtigt werden. Die letzte Reform in 1998 liegt mittlerweile mehr als 25 Jahre zurück, eine Reform ist überfällig.

So wird u.a. die gemeinsame Erziehungsverantwortung beider Elternteile gestärkt und entbürokratisiert, unabhängig davon, ob die Elternteile verheiratet sind, zusammen oder getrennt leben. Zusätzlichen Personen (Partner*innen der Eltern) sollen die Eltern mit wenig Aufwand das „kleine Sorgerecht“ übertragen oder auch wieder entziehen können. Das Jugendamt ist von den Eltern beratend – im Vorfeld und bei Konfliktthemen – hinzuzuziehen, wenn beide Eltern das Sorgerecht gemeinsam ausüben, aber nicht zusammenleben und ein Wechselmodell für den Umgang vereinbart wird.
Der Schutz vor häuslicher Gewalt in Sorge- und Umgangsverfahren soll verbessert werden.
Mit der Gesetzesreform sollen Kindern eigene Rechte auf Umgang zugesprochen und aktive Mitwirkungsmöglichkeiten für sie geschaffen werden.

Bezüglich des Kinderschutzes ist wesentlich, dass die Gesetzesreform die Vorgaben der Istanbul-Konvention aufnimmt, die 2017 ratifiziert wurde. Demnach soll das Familiengericht Anhaltspunkte für häusliche Gewalt gegenüber dem Kind und/oder dem anderen Elternteil und deren Auswirkungen umfassend und systematisch ermitteln und eine Risikoanalyse vornehmen (BMJ 2024: 11).
Ein gemeinsames Sorgerecht komme nicht nur bei Gewalt gegenüber dem Kind, sondern auch bei Partnerschaftsgewalt regelmäßig nicht in Betracht. In der Gesetzesreform soll auch klargestellt werden, dass das Familiengericht den Umgang beschränken oder ausschließen kann, wenn dies erforderlich ist, um eine konkrete Gefährdung des gewaltbetroffenen betreuenden Elternteils abzuwenden (ebd.).
Bedeutsam ist hier auch die Möglichkeit einer Umgangspflegschaft, die vom Familiengericht zur Vorbeugung von konflikthaften Sorgerechtsregelungen bei Zustimmung beider Elternteile anordnen kann. (BMJ 2024: 11).