Pressemitteilung der Aufarbeitungskommission – Sozialmagazin: Themenheft Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs erschienen und frei verfügbar

Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt erkennt vergangenes Unrecht an, untersucht Gründe für sexuellen Kindesmissbrauch sowie für Vertuschung und Schweigen und sucht Wege zur Veränderung. Aufarbeitung kann eine juristische Aufklärung von Straftaten oder die individuelle Verarbeitung des Traumas durch psychosoziale Maßnahmen nicht ersetzen. Sie macht jedoch das Unrecht der Vergangenheit zum Thema der Gegenwart und zielt auf ein besseres Verständnis der Gesellschaft für die Dimensionen sexuellen Kindesmissbrauchs, damit Kinder in Zukunft sicher leben können. Doch wollen unsere Gesellschaft und die Disziplin und Profession Sozialer Arbeit die Geschichte sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wirklich aufarbeiten?
Seit 2010 gibt es einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch, jedoch mangelt es nach wie vor an umfassender Forschung und Prävalenzdaten. Soziale Arbeit kann und sollte in Forschung, Theorie und Praxis wegweisend sein. Fachkräfte der Sozialen Arbeit begegnen dem Thema in zahlreichen Arbeitsfeldern und sehen hier auch einen politischen Auftrag, Aufarbeitung voranzutreiben und Kinderrechte zu stärken.
Die aktuelle Ausgabe des Sozialmagazins ist unter der redaktionellen Leitung der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs entstanden. Sie beinhaltet einen vielfältigen Überblick über diese komplexe Thematik und zeigt auf, wie Soziale Arbeit in Forschung, Theorie und Praxis wegbereitend auftreten kann. Das Heft will dazu beitragen, Aufarbeitung multiperspektivisch zu beleuchten, eine weiterführende Diskussion anzuregen sowie Weiterentwicklungen für ein Recht auf Aufarbeitung zu fördern. Die vollständige Pressemitteilung vom 13.06.2024 finden Sie hier.

Sozialmagazin 5-6 2024: „Sexualisierte Gewalt aufarbeiten?“

Die Beiträge dieser Ausgabe sind hier frei verfügbar.

Homepage zum Thema „Sexualisierte Gewalt durch Geschwister“ von Dr. Esther Klees

Seit mittlerweile 20 Jahren arbeitet Dr. Esther Klees in verschiedenen wissenschaftlichen Kontexten zum Thema „Sexualisierte Gewalt durch Geschwister“ in Form von eigener Forschung, Fachartikeln, der Herausgabe von Büchern, Vorträgen auf Konferenzen, Fortbildungsangeboten, in ihrer Lehre im Studiengang Soziale Arbeit und im Rahmen von internationaler Vernetzung.
Notwendigkeit und Dringlichkeit, Aufklärungsarbeit zu leisten, zeigen sich einerseits anhand alarmierender Forschungsergebnisse aus anderen Ländern wie Australien, dem Vereinigten Königreich, Israel und den USA. Andererseits melden sich mehr und mehr Betroffene sexualisierter Gewalt durch Geschwister, betroffene Eltern, vereinzelt auch Erwachsene, die im Kindesalter sexualisierte Gewalt an Geschwistern ausgeübt haben und auch Fachkräfte, mit ihren Fragen und der Bitte um Hilfe. So entstand die Idee für diese Homepage. Dr. Esther Klees möchte ihr Wissen zu dem Thema, nicht nur in Form wissenschaftlicher Texte, sondern auch leicht zugänglich und verständlich geschrieben, für alle Interessierten weitergeben. Auf ihrer Homepage verzichtet sie bewusst auf einen wissenschaftlichen Schreibstil, um sicherzustellen, dass die Informationen für ein breiteres Publikum verständlich sind.

Ziele der Homepage sind:

  • leicht verständliche und kostenfreie Informationen für alle Interessierten bereitzustellen,
  • das Bewusstsein für diese Problematik in der Öffentlichkeit zu schärfen,
  • Betroffenen, sexualisiert-übergriffigen jungen Menschen und ihren Familien dabei zu helfen, ihre Erfahrungen einordnen zu können und Heilungswege zu finden,
  • eine Vernetzung anzuregen,
  • Fachkräfte zu unterstützen, ihr fachliches Handeln zu professionalisieren.

Die Homepage finden Sie unter dem folgenden Link: www.sexualisierte-gewalt-geschwister.de

Triggerwarnung: Diese Internetseite befasst sich mit dem Thema „sexualisierte Gewalt“ und es werden u.a. diverse Fallbeispiele angeführt. Bei manchen Menschen kann dieses Thema negative Reaktionen auslösen oder auch retraumatisierend wirken. Bitte achten Sie auf sich. Überfordern Sie sich bitte nicht. Sollten Sie aufgrund einer eigenen Betroffenheit Hilfe im Umgang mit der Belastung wünschen, wenden Sie sich bitte an das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/hilfe-telefon oder an eine spezialisierte Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend in Ihrer Nähe.

Aufruf zu Demonstrationen vor EU-Wahl und Kommunalwahlen – Rechtsextremismus stoppen – Demokratie verteidigen!

Mit der anstehenden Europawahl am 09.06.2024 sowie den Kommunalwahlen in neun Bundesländern droht ein weiterer Ruck nach rechts außen.
Gemeinsam mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis, initiiert von Campact, ruft der Paritätische Gesamtverband deshalb zu Demonstrationen und Kundgebungen zwischen dem 23.05. und 8.06. auf. Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich dafür zu mobilisieren, eine demokratische Partei zu wählen.
Das Demo-Bündnis hat dabei insbesondere junge Wähler*innen im Blick, die erstmals bei einer EU-Wahl ab 16 Jahren wählen können, sowie demokratisch gesinnte Menschen, die – anders als bei einer Bundestagswahl – bisher nicht vorhaben, wählen zu gehen. Ihnen gegenüber soll die Bedeutung der Wahlen deutlich gemacht werden.
Größere Demonstrationen sind am 25.05. in Erfurt, am 01.06 in Köln, am 2.06. in Cottbus, am 07.06. in Hamburg und am 08.06. – dem Höhepunkt der Protestwelle – ua. in Berlin, Leipzig, München, Stuttgart und Frankfurt am Main geplant. Kundgebungen, Demos oder Feste werden aber auch in vielen kleineren Orten im ganzen Bundesgebiet stattfinden. Mehr Informationen finden Sie unter: www.rechtsextremismus-stoppen.de. Neue Veranstaltungen werden laufend ergänzt.
Der Paritätische Gesamtverband freut sich, wenn das Demo-Bündnis breit unterstützt wird. Organisationen, die dem Unterstützer*innenkreis beitreten möchten, melden dies bitte an Wiebke Schröder, 030 24636-346, zivilgesellschaft@paritaet.org. Das Logo von unterstützenden Organisationen kommt auf die Bündnis-Website. Zur Unterstützung gehört die Mobilisierung für die Demos über die eigenen Strukturen und Kanäle. Darüber hinaus wünschen wir uns einen finanziellen Beitrag.
Gerne können auch eigene Demonstrationen unter dem Dach „Rechtsextremismus stoppen – Demokratie verteidigen“ organisiert werden – das Demo-Bündnis unterstützt und berät. Alle Demo-Termine werden auf der gemeinsamen Website gesammelt und beworben. Interessierte können sich direkt an das Bündnis wenden: im-ganzen-land@rechtsextremismus-stoppen.de. Den Aufruf sowie die Trägerkreis-Organisationen finden Sie hier.

Modularisierte Fortbildung Opfergerechte Täter*innen-Arbeit MoFo für Dezember in Planung

Das Modul wird voraussichtlich ab Dezember 2024 als berufsbegleitende Weiterbildung zur „Fachkraft für opfergerechte Täterarbeit mit sexuell übergriffigen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen“ durchgeführt. Konkrete Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung folgen.

Erste Informationen über das Konzept der Weiterbildungsreihe finden Sie hier: https://dgfpi.de/modularisierte-fortbildung-opfergerechte-taeterarbeit/

BKSF-Stellungnahme zu Eckpunkten für eine Kindschafts-rechtsreform

Die Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend (BKSF) begrüßt grundsätzlich eine Reformierung und Modernisierung des Kindschaftsrechts und insbesondere, dass mit der Reform gewaltbetroffene Eltern und ihre Kinder besser vor Gewalt geschützt werden sollen.
Besonders erfreulich ist, dass Familiengerichte künftig im Rahmen ihrer Amtsermittlungspflicht in Umgangsverfahren eine umfassende und systematische Ermittlung von Anhaltspunkten für häusliche Gewalt gegenüber dem Kind und dem anderen Elternteil sowie eine Risikoanalyse vornehmen sollen. Die BKSF befürwortet zudem die Klarstellung, dass ein gemeinsames Sorgerecht bei Gewalt gegenüber dem Kind regelmäßig nicht in Betracht kommt. Ebenso hält sie die vorgeschlagenen Mitentscheidungsbefugnisse im Sorge- und Umgangsrecht für Kinder ab dem 14. Lebensjahr für wichtig und sinnvoll.
Die vollständige Stellungnahme vom 15.02.2024 finden Sie auf der Webseite der BKSF unter: https://www.bundeskoordinierung.de/de/article/683.bksf-stellungnahme-zu-eckpunkten-f%C3%BCr-eine-kindschaftsrechtsreform.html

BzKJ-Pressemitteilung: Digital Service Act wird EU-weit und voll wirksam: wichtiger Schritt für den Online-Schutz von Minderjährigen

Der Digital Services Act (DSA) schafft ein ambitioniertes gemeinsames, europäisches Regelwerk. Die Diensteanbieter werden zur Verantwortung gezogen, um ein sicheres Online-Umfeld zu schaffen. Davon profitieren auch Kinder und Jugendliche.
Ab dem 17. Februar 2024 gilt der DSA in der gesamten EU. Die Verbesserung und Stärkung des Schutzes der europäischen Grundrechte und insbesondere der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist eines der wichtigsten Ziele des DSA. Dank deutscher Verhandlung konnte ein starker Kinder- und Jugendschutz in Artikel 28 Absatz 1 DSA verankert werden.
Die sehr großen Online-Plattformen („VLOPS“) wie Instagram oder TikTok und Suchmaschinen („VLOSE“) werden nach dem DSA direkt durch die Europäische Kommission reguliert. Alle anderen Online-Plattformen unterliegen der Aufsicht des Mitgliedsstaates, in welchem sie oder ihr gesetzlicher Vertreter jeweils niedergelassen sind.
Das „Digitale-Dienste-Gesetz“ (DDG), das voraussichtlich im April 2024 in Kraft treten soll, legt die organisatorische Ausgestaltung für Deutschland fest. Es sieht eine Stelle in der Bundesnetzagentur als zentrale Koordinierungsstelle in Deutschland vor. Für den strukturellen Online-Schutz Minderjähriger in Online-Plattformen mit Sitz in Deutschland wird die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) zuständige Behörde.
Sebastian Gutknecht, Direktor der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz, stellt fest:
„Der DSA ist ein großer europäischer Fortschritt und ein Einschnitt im bisherigen System der Regulierung von Risiken für Kinder und Jugendliche im Internet. In der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) können wir auf jahrelange Erfahrung zur Überprüfung von strukturellen Vorsorgemaßnahmen zurückgreifen. Mit dieser Expertise sind wir unter der neuen Rechtsordnung sofort aktiv, wenn in Deutschland im Laufe des Jahres das Digitale-Dienste-Gesetz in Kraft tritt. Die BzKJ ist für ihre Aufgaben gut vorbereitet. Wir freuen uns sehr, den Schutz von Kindern und Jugendlichen bei der Mediennutzung im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Arbeit voranzubringen.“
Die Pressemitteilung vom 15.02.2024 finden Sie auch auf der Website der BzKJ unter folgendem Link: Pressemitteilung BzKJ

Crowdfunding Wildwasser Wiesbaden e.V. – Bitte um Unterstützung

Wildwasser Wiesbaden e.V. – Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt wird 2024 eine neue Beratungsstelle für männliche* Betroffene in Kindheit und Jugend eröffnen.
Ehemalige Büroräume wurden zu Beratungsräumen, die ein Willkommens- und Sicherheitsgefühl vermitteln. Leider deckt die Finanzierung durch das Land Hessen den nötigen Umbau nicht ab.
Aus diesem Grund hat Wildwasser Wiesbaden eine große Spendenaktion über die Plaffform „Viele schaffen mehr“. Das Crowdfunding läuft nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, als Spendenziel sind 10.000 € eingestellt. Tatsächlich benötigt der Verein über 30.000 €. Hierfür wird bis zum 17. März 2024 gesammelt.
Viele schaffen mehr und zusammen schaffen wir das! Jeder Euro zählt!
Zum Spenden auf den nachfolgenden Link klicken: https://www.viele-schaffen-mehr.de/projekte/hilfe-bei-sexualisierter-gewalt

Eckpunkte zur Reform des Kindschaftsrechts

Das BMJ hat für eine anstehende Reform des Kindschaftsrechts Eckpunkte veröffentlicht. Durch eine Reform sollen u.a. Änderungen der Familienkonstellationen und Lebensformen, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, stärker berücksichtigt werden. Die letzte Reform in 1998 liegt mittlerweile mehr als 25 Jahre zurück, eine Reform ist überfällig.

So wird u.a. die gemeinsame Erziehungsverantwortung beider Elternteile gestärkt und entbürokratisiert, unabhängig davon, ob die Elternteile verheiratet sind, zusammen oder getrennt leben. Zusätzlichen Personen (Partner*innen der Eltern) sollen die Eltern mit wenig Aufwand das „kleine Sorgerecht“ übertragen oder auch wieder entziehen können. Das Jugendamt ist von den Eltern beratend – im Vorfeld und bei Konfliktthemen – hinzuzuziehen, wenn beide Eltern das Sorgerecht gemeinsam ausüben, aber nicht zusammenleben und ein Wechselmodell für den Umgang vereinbart wird.
Der Schutz vor häuslicher Gewalt in Sorge- und Umgangsverfahren soll verbessert werden.
Mit der Gesetzesreform sollen Kindern eigene Rechte auf Umgang zugesprochen und aktive Mitwirkungsmöglichkeiten für sie geschaffen werden.

Bezüglich des Kinderschutzes ist wesentlich, dass die Gesetzesreform die Vorgaben der Istanbul-Konvention aufnimmt, die 2017 ratifiziert wurde. Demnach soll das Familiengericht Anhaltspunkte für häusliche Gewalt gegenüber dem Kind und/oder dem anderen Elternteil und deren Auswirkungen umfassend und systematisch ermitteln und eine Risikoanalyse vornehmen (BMJ 2024: 11).
Ein gemeinsames Sorgerecht komme nicht nur bei Gewalt gegenüber dem Kind, sondern auch bei Partnerschaftsgewalt regelmäßig nicht in Betracht. In der Gesetzesreform soll auch klargestellt werden, dass das Familiengericht den Umgang beschränken oder ausschließen kann, wenn dies erforderlich ist, um eine konkrete Gefährdung des gewaltbetroffenen betreuenden Elternteils abzuwenden (ebd.).
Bedeutsam ist hier auch die Möglichkeit einer Umgangspflegschaft, die vom Familiengericht zur Vorbeugung von konflikthaften Sorgerechtsregelungen bei Zustimmung beider Elternteile anordnen kann. (BMJ 2024: 11).